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Fachschaftsvorsitz: Frau Sydow
„Wir sind Zwerge, die auf den Schultern von Riesen sitzen. Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“
Bernard von Chartres (genannt Sylvestris, 1080-1167)
So wie wir immer wieder mit unserer individuellen Geschichte konfrontiert werden, begegnet uns auch die kollektive Geschichte jeden Tag. Geschichte beginnt in der Gegenwart.
Bei jeder Entscheidung, die wir heute treffen und die für die Zukunft gelten soll, spielt unsere bisherige Erfahrung eine entscheidende Rolle. Durch die Beschäftigung mit unserer eigenen Vergangenheit wird uns klar, welche Erfahrungen wir wiederholen wollen und welche nicht. Die Vergangenheit beeinflusst unser Denken und Handeln in der Gegenwart, und auch die Zukunft wird mitbestimmt durch das, was wir heute tun oder unterlassen.
Das Zwergen-Riesen-Gleichnis wird auf den mittelalterlichen Theologen und Philosophen Bernhard von Chartres zurückgeführt und kann heute noch eindrucksvoll an den Glasfenstern der gotischen Kathedrale von Chartres betrachtet werden: Die Vergangenheit ist ein Riese, die Gegenwart ein Zwerg, trotzdem sieht die Gegenwart weiter, weil sie auf den Schultern der Vergangenheit sitzt. So sind wir im Bewusstsein unseres begrenzten Erkenntnisvermögens zwar alle Zwerge, können aber dennoch weiter schauen, als die Menschen der Vergangenheit.
(Stiftung Lesen, Die Geisteswissenschaften, Mainz 2007)
Wie wir am Johann-Rist-Gymnasium „Geschichte“ verstehen…
Geschichte dient - so wie wir als Fachlehrer Geschichtsvermittlung verstehen - der Entwicklung von Wissen, Kompetenzen und Werteorientierungen, die für das Leben und Handeln im politisch-gesellschaftlichen Rahmen notwendig sind und wissenschaftsorientierte Reflexion ermöglichen.
Damit werden grundlegende Voraussetzungen geschaffen für die Fähigkeit und Bereitschaft des Einzelnen zur mündigen Teilnahme an der politischen Willensbildung und zur engagierten Mitgestaltung der demokratischen Gesellschaft und ihrer Wandlungsprozesse. Die Mitgestaltung des Gemeinwesens sollen die Schüler als ihre Aufgabe und zugleich als Chance verstehen.
In der Auseinandersetzung mit Geschichte entwickeln Schüler die Bereitschaft, sich für die Annahme demokratischer Prinzipien und Wertsetzungen zu entscheiden. Die Auseinandersetzung mit eigenen und fremden Werten sowie mit daraus abgeleiteten politisch, philosophisch und religiös begründeten Lebens- und Gesellschaftsentwürfen verschiedener Kulturkreise ist dabei eine wichtige Hilfe für die Entwicklung der Diskursfähigkeit und Toleranz auf der Basis der Menschenrechte.
Geschichte - in diesem Sinne vermittelt - dient der Erkenntnis, dass das eigene Denken und Urteilen immer durch die Zeit- und Standortgebundenheit geprägt und damit niemals voraussetzungslos ist. Auseinandersetzung mit Geschichte hilft Schülern, Situationen und Probleme aus anderen Perspektiven zu betrachten sowie sich in andere Menschen einzufühlen. Damit verknüpft ist die Entwicklung der Fähigkeit und Bereitschaft der Schüler, eigene Standpunkte zur entwickeln, diese aus anderen Perspektiven zu reflektieren und gegebenenfalls zu revidieren.
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