Römerfachtag am JRG

Der erste Römerfachtag am JRG

Am Mittwoch, den 01. 03. 2017, besuchten zwei verkleidete Römer aus der „Legio XXI Rapax“ (

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Fachschaft Latein

Willkommen – Salvete!

"Ich hasse und liebe - warum ich es tue, weiß ich nicht, aber ich fühle, dass es geschieht, und ich quäle mich."

Nein, das ist nicht der Klageruf eines Lateinschülers. Der römische Dichter Catull hat mit diesen Versen seine seelische Zerrissenheit in einer Liebesbeziehung in Worte gefasst.

Antike Mythologie finden wir heute überall in den Medien: Jugendliche lieben Percy Jackson, den Sohn des Meeresgottes Poseidon; Martialische Filme wie "Troja" mit Brad Pitt oder "300", der Kampf der Spartaner gegen die Perser, finden ein Millionenpublikum.

Man schwankt bei zwei unerträglichen Alternativen zwischen Skylla und Charybdis, zerschneidet bei unlösbaren Konflikten den Gordischen Knoten, stemmt herkulische Aufgaben, manches Kinderzimmer sieht aus wie ein Augias-Stall.

Multikulturell war Rom schon immer: Aeneas, der Stammvater der Römer, war alleinerziehender Vater und Mittelmeerflüchtling mit Migrationshintergrund. Romulus, der Gründer Roms, war ein jugendlicher Selfmademan mit hohem Aggressionspotential und Chef einer Siedlung von Asylsuchenden.

Die Menschen der Antike machten sich Gedanken über ihr Leben und ihren Platz in der Welt, die in ihrer Universalität zeitlos sind. Lateinunterricht ist also nicht nur Sprachunterricht im Grundlagenfach zahlreicher moderner Fremdsprachen, sondern regt in der kritischen Auseinandersetzung mit den antiken Autoren zum Nachdenken über uns als Menschen und unsere Gesellschaft an.

Lateinunterricht am Johann-Rist-Gymnasium

Wir bieten Latein ab der 6. Klasse als 2. Fremdsprache an. In der Oberstufe kann Latein auch als Kernfach unterrichtet werden. Die mündliche oder schriftliche Abiturprüfung kann in Latein grundsätzlich abgelegt werden.

Für den Unterricht in der Lehrbuchphase verwenden wir das Lehrwerk "Prima Nova" (C. C. Buchner-Verlag), wofür umfassende Begleitmaterialien existieren. Themen sind zunächst die römische Alltagswelt, dann lernen wir wichtige Persönlichkeiten der römischen Geschichte kennen. Wir erhalten einen Einblick in die antike Mythologie und Religion, später setzen wir uns mit der römisch-griechischen Literatur und Philosophie auseinander.

Der Unterricht der Lektürephase greift auf (anfangs bearbeitete) lateinische Originaltexte zurück. Mögliche Autoren der Anfangslektüre sind Caesar, die Biographien des Cornelius Nepos oder die Fabeln des Phaedrus. Später lesen wir beispielsweise die Dichter Ovid und Catull, den Staatsmann und Philosoph Cicero oder schließlich den römische "Nationaldichter" Vergil. Als Lexikon verwenden wir den "Stowasser". <Foto1> <Foto-Text1>

Latinum als Abschluss

In unserer Schule kann man grundsätzlich alle drei Latina erwerben. Voraussetzung sind entsprechende Kenntnisse der lateinischen Sprache und Literatur. Diese entsprechen ungefähr folgenden Klassenstufen:

Abschluss Unterrichtsvoraussetzungen

Kleines Latinum Lektüre von z.B. Caesar oder Nepos (ca. Ende 9. Klasse)

Latinum Lektüre von Cicero (ca. Ende des Ej-Jahres/10. Klasse)

Großes Latinum Dichtungslektüre, z.B. Vergil, Aeneis (Ende Q2)

Die genauen rechtlichen Vorschriften zum Erwerb der Latina finden Sie auf der Homepage des Ministeriums.

Welches Latinum für bestimmte Studienfächer benötigt werden, richtet sich nach den Bestimmungen der jeweiligen Universität.

Unser Lateinunterricht ist mit vielfältigen Aktivitäten verknüpft:

- Besuche in den Hamburger Museen (z.B. Museum für Kunst und Gewerbe sowie zu zahlreichen Sonderausstellungen).

- Wahlpflichtfach "Archäologie" im Wahlpflichtbereich der Mittelstufe. Hier lernen wir die Methoden kennen, mit denen die Realien der antiken Welt erforscht werden.

- Fachtag der 6. und 7. Lateinklassen. (alle 2 Jahre).

- Jährliche <ref>Projektfahrt der 8. Lateinklassen nach Trier<link-Seite4></ref>, wo wir provinzialrömisches Leben in einer echten Römerstadt erleben.

- "Certamen Cimbricum". Der Sprachwettbewerb des Deutschen Altphilologenverbandes Schleswig-Holstein richtet sich mit einer Übersetzungs- und Interpretationsklausur an die Oberstufe.

Weitere Informationen:

<ref>Schulinternes Fachcurriculum<link-pdf1:"Fachcurriculum Latein_2011.pdf"></ref>

<ref>Latein am JRG - Informationsblatt<link-pdf2:"Latein-Wahlinfo2012.pdf"></ref>

<ref>Fachanforderungen Latein<link-pdf3:"Fachanforderungen_Latein2016.pdf"</ref>

<ref>F.A.Q.<link-Seite5></ref>

Warum Latein?

Trier, Porta NigraLatein ist das europäische Kulturfach

Das europäische Abendland bezieht sich immer wieder auf die Antike. Die griechische Mythologie bietet Gelegenheit, über menschliche Beziehungsprobleme nachzudenken, über die Stellung des Menschen in der Welt, über Konflikte zwischen Religion und Staat. Mittels der lateinischen Literatur diskutieren wir die Werte der Aufklärung, des Humanismus, werfen einen Blick in das lateinische Christentum als Vermittlerin der Antike.

Latein ist Demokratie-Unterricht

Wir reflektieren über die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft. Der römische Staat ist ein Ständestaat und keine Demokratie – aber wie steht es um unsere Teilhabe an unseren Staat? Frieden, Wohlstand für alle, Gleichberechtigung von Mann und Frau - haben wir dies erreicht?

Latein fördert zudem die Medienkompetenz. Geschult an der Redekunst Ciceros und an Caesars Selbstdarstellungs-Tricks erkennen wir leichter die Argumentationen und Manipulationen der heutigen Medien.

Latein stärkt die deutsche Sprache

Lateinunterricht stärkt die Ausdrucksfähigkeit und Sicherheit im Deutschen insbesondere bei Migrantenkindern. Durch den bewussten Umgang mit der Grammatik und dem Wortschatz der lateinischen Sprache verbessern alle Kinder ihre Ausdrucksfähigkeit, erweitern ihren Wortschatz. Das Übersetzen fördert zudem das logische Denken und die Konzentrationsfähigkeit.

Diese formale Sprachbildung erleichtert schließlich insbesondere das Lernen von romanischen Sprachen wie Französisch oder Spanisch, aber auch von anderen Sprachen.

Latein ist kulturelles Integrationsfach

Lateinunterricht verbindet Lernende unterschiedlicher Herkunft. Zum "Imperium Romanum" gehörten unter anderem die heutige Türkei und Syrien, Libanon, Ägypten, zum Teil auch der heutige Irak sowie Armenien und Kurdistan. Die griechisch-römische Kultur ist uns teilweise vertraut, aber für alle auch fremd. Gespräche über Werte und Kultur sind aus diesem Grund zwischen "alteingesessenen Europäern" und Migranten wesentlich leichter zu führen.

Projekte und Projektfahrten

Catull-Poster

Projektfahrt nach Trier

Am Anfang der 8. Klassenstufe unternehmen wir eine Projektfahrt nach Trier, der ehemaligen Residenzstadt Kaiser Konstantins des Großen. Trier ist die einzige deutsche Stadt, in der römische Gebäude wie die kaiserliche Palastaula oder das Stadttor der "Porta Nigra" vollständig erhalten sind. Das Rheinische Landesmuseum zeigt vielfältige Zeugnisse des römischen Alltagslebens, im römischen Amphitheater kann Gladiatorenleben sogar im Selbstversuch erfahren werden.

Haben Sie weitere Fragen? (F.A.Q.)

Anmeldung zum Lateinunterricht

Sie geben bereits beim Übergang an unsere 5. Klasse an, ob Ihr Kind Latein oder Französisch ab der 6. Klasse lernt.

Autismus

Kinder mit Asperger-Syndrom oder ausgeprägtem Autismus können sich oft schriftlich besser ausdrücken. Der Lateinunterricht kennt das formale Übersetzen und die Reflexion über Texte, weniger dagegen die freien dialogischen Sprechanlässe wie in modernen Fremdsprachen.

Das formale Lernen von Grammatik und Vokabeln klappt unserer Erfahrung nach gut, auch das (eher schriftliche) Übersetzen macht wenig Probleme. Kinder mit autistischem Bild mögen gerade die historischen und politischen Texte, weniger die sozialen und emotionalen Themen.

Dritte Fremdsprache Latein?

Derzeit bieten wir Latein nur als zweite Fremdsprache an. Sie müssen also bereits in der Unterstufe die Wahl treffen.

Eltern müssen Latein gelernt haben?

Klare Antwort: nein! Entscheidend ist, dass Ihr Kind zu Hause einen ruhigen Platz zum Lernen hat und Sie darauf achten, dass Ihr Kind regelmäßig am Ball bleibt. Wer 1-2 Monate die Arbeit schleifen lässt, ist schnell raus!

Vokabeln und Grammatik werden wie in allen Sprachen regelmäßig gelernt. Da Latein so geschrieben wie gesprochen wird, können Sie als Eltern Vokabeln oder Formen abfragen.

Lese-Rechtschreib-Schwäche

Lateinische Wörter werden geschrieben wie gesprochen. Unserer Erfahrung nach haben Kinder mit LRS bisweilen Leseschwierigkeiten. Wir schreiben jedoch wenig Latein und bewerten die deutsche Rechtschreibung nicht (außer sie ist sinnentstellend). Daher wirkt sich LRS im Lateinunterricht meist weniger aus als in Englisch oder Französisch, bei denen die Aussprache stark von der Rechtschreibung abweicht.

Migrantenkinder / Deutsch als Zweitsprache

Viele Kinder beherrschen außer Deutsch eine weitere Muttersprache. Oft weicht deren Struktur stark von der lateinischen und deutschen Grammatik ab. Genau hier liegen die Stärken des Lateinunterrichts: Im ständigen Vergleich zwischen lateinischer und deutscher Grammatik machen wir sprachliche Strukturen bewusst. Dadurch trainieren wir den deutschen Satzbau und Ausdruck und erweitern den deutschen Wortschatz. Manche Sprachen ähneln dem Lateinischen; sie haben z.B. keinen Artikel (Polnisch, Russisch) oder statt Nebensätzen eher Partizipialkonstruktionen (Türkisch).